Energiepreise gut kommunizieren – aber wie?

Warum wird Energie eigentlich teurer – oder manchmal auch günstiger? Für viele bleibt dies ein Rätsel, wenn sie die jährliche Strom- Gas- oder Fernwärmerechnung ihres Energieversorgers in den Händen halten. Energiepreise sind ein sensibles Thema – besonders in Zeiten, in denen sich der Energiemarkt rasant verändert. Politische Vorgaben, schwankende Beschaffungskosten und die Transformation des Energiesektors stellen Versorger sowie Kundinnen und Kunden vor große Herausforderungen.

Gerade jetzt kommt es darauf an, wie Energieversorger und Stadtwerke kommunizieren: Transparent, nachvollziehbar und mit einem klaren Bekenntnis zu Fairness. Denn nur so entsteht Vertrauen – die Basis für langfristige Kundenbeziehungen.

Stadtwerke und regionale Versorger haben dabei einen entscheidenden Vorteil: Sie sind nah dran an den Menschen vor Ort, sie stehen für Versorgungssicherheit und tragen aktiv zur Energiewende und damit zur Lebensqualität in ihrer Region bei. Wer Preisänderungen nicht nur als Zahl kommuniziert, sondern Ursachen erklärt, Hintergründe aufzeigt und zugleich Entlastungen betont, stärkt seine Glaubwürdigkeit. So gelingt es, Kundinnen und Kunden in herausfordernden Zeiten zu halten und neue für sich zu gewinnen.

 

Tipps für eine erfolgreiche Preiskommunikation

  • Transparenz schaffen: Kunden möchten nachvollziehen können, warum es zu Preissteigerungen kommt. Eine transparente und sachliche Darstellung der Ursachen (z.B. gestiegene Einkaufspreise, gesetzliche Vorgaben, feste Preisbestandteile, auf die Versorger keinen Einfluss haben, CO₂-Preise) erhöht die Akzeptanz.
  • Frühzeitige und proaktive Kommunikation: Die Preisanpassung sollte rechtzeitig angekündigt und aktiv erklärt werden – nicht erst im Kleingedruckten auf der Rechnung. Ein Mix aus persönlichen Anschreiben, Kundenmagazinen und Online-Angeboten ist hilfreich.
  • Kundennähe und regionale Verbundenheit: Betonen, dass man als kommunales EVU fair versorgt und nicht auf maximalen Profit ausgerichtet ist. Die regionale Verantwortung und den hochwertigen, erreichbaren Service in der Kommunikation herausstellen. Das differenziert Stadtwerke von anonymen Discountern..
  • Klarheit und einfache Sprache: Die Kommunikation sollte ohne Fachjargon und in verständlicher Sprache erfolgen. Unklare oder verkomplizierte Darstellungen führen schnell zu Misstrauen.

 

Fazit

Eine gelungene Preiskommunikation von Stadtwerken baut auf frühzeitiger, transparenter und empathischer Verständigung mit den Kunden auf, stellt Nutzen und regionale Verantwortung heraus und sichert über einen hochwertigen, erreichbaren Service die Vertrauensbasis. Dabei helfen klare, einfache Erklärungen, persönliche Nähe und Offenheit für Dialog und Kundenfeedback.

 

 

Exkurs: Preisbestandteile erklären und verständlich machen

Gestiegene Netzentgelte: Netzentgelte sind Gebühren, die Netzbetreiber für die Nutzung der Strom- und Gasnetze erheben. Sie machen einen beträchtlichen Teil des Energiepreises aus und sind von Region zu Region unterschiedlich.

Kommunikationstipp:

Komplexität runterbrechen: „Ein großer Teil Ihres Strompreises sind die Kosten dafür, dass Strom verlässlich durch die Netze bei Ihnen ankommt. Die Kosten entsprechen den tatsächlich entstandenen Kosten für Netznutzung und -ausbau in Ihrer Region. Wir geben die Kosten 1:1 ohne Aufschlag weiter.“

 

Wegfall der Gasspeicherumlage: Diese Umlage wurde eingeführt, um nach der Energiekrise die Speicher wieder zu füllen. Sie fällt nun weg.

Kommunikationstipps:

Gute Botschaft nutzen: „Eine gute Nachricht: Die Gasspeicherumlage entfällt. Das bedeutet, dass Ihr Gaspreis nicht durch diese Zusatzkosten belastet wird.“

Fairness zeigen: „Wir geben Entlastungen direkt an Sie weiter.“

 

§ 19 StromNEV-Umlage: Diese Umlage dient dem Ausgleich für bestimmte stromintensive Unternehmen, die reduzierte Netzentgelte zahlen. Alle Verbraucher tragen anteilig diese Kosten.

Kommunikationstipps:

Verständlich machen mit Alltagssprache: „Ein Teil Ihrer Stromrechnung finanziert Ausnahmen für große Industriebetriebe, die viel Strom verbrauchen. Das ist nötig, damit Betriebe wettbewerbsfähig und in Deutschland bleiben. Das sichert indirekt auch unsere Arbeitsplätze. Diese Kosten werden auf alle Kundinnen und Kunden verteilt.“

Neutral und faktenbasiert bleiben: Damit wird vermieden, dass negative Stimmung auf Stadtwerke selbst gelenkt werden.

 

CO₂-Preis: Der Staat erhebt auf fossile Energieträger wie Gas, Heizöl oder Benzin einen CO₂-Preis, um Anreize für klimafreundliche Alternativen zu setzen.

Kommunikationstipps:

Nutzen betonen: „Der CO₂-Preis soll klimafreundliches Heizen und den Ausbau erneuerbarer Energien fördern.“

Konkrete Beispiele geben: „Bei einem durchschnittlichen Haushalt macht das aktuell etwa X € pro Jahr aus.“

Verknüpfung mit Angeboten: Energieberatung, Förderprogramme, Wärmepumpen oder Ökostrom-Tarife aktiv mitkommunizieren.

 

Stromsteuer: Die Stromsteuer ist eine bundesweite Verbrauchssteuer.

Kommunikationstipp:

Veranschaulichen: „Wie bei vielen anderen Produkten erhebt der Staat auch auf Strom eine Steuer – vergleichbar mit der Mehrwertsteuer beim Einkaufen.“

Vertrauen aufbauen: „Da wir die Stromsteuer 1:1 weitergeben, können Sie sicher sein, dass Ihr Energieversorger hier keine versteckten Kosten aufschlägt.

Partnerschaftlich auftreten: „Unsere Aufgabe ist es, die Abgaben transparent darzustellen und Sie über mögliche Entlastungen – zum Beispiel bei Steuervergünstigungen für bestimmte Anwendungen – zu informieren.“

 

Fernwärmebegleitklausel Die sogenannte Fernwärmebegleitklausel ist ein gesetzliches Instrument, das bei Preisänderungen für Fernwärme greift.

Kommunikationstipp:

Verlässlichkeit ausstrahlen: Für Fernwärmekund:innen gibt es eine gesetzliche Regelung, die sicherstellt, dass Preisänderungen fair und transparent weitergegeben werden. Sie können sich darauf verlassen, dass wir die Regeln genau einhalten.“