Bienenstrom für die Artenvielfalt

Am 15. August ist Tag der Biene – In Gärten auf alte Pflanzen setzen – Durch Bienenstrom Insektenvielfalt fördern

Gerade die klassische Honigbiene ist für die Bestäubung von Nutzpflanzen unerlässlich und verantwortlich für eine Ertragssteigerung von bis zu 100 %. Und doch machen ausgerechnet die Profiteure der Bestäuber – ambitionierte Gärtner – ihnen das Leben schwer. Durch gezüchtete gefüllte Prachtblüten wird den Fluginsekten die Bestäubung erschwert und die Nahrung entzogen. Deutschlandweit greifen nun Aktionen, um dem Insektensterben Einhalt zu gebieten. Bienenweiden etwa sind auf das Nahrungsbedürfnis von Bestäubern ausgerichtet und bieten ihnen den ganzen Sommer über Pollen und Nektar an. Wenn die verblühte Weide als Biomasse noch der Energiegewinnung dient – umso besser!

Insektensterben

Es ist eine denkbar alarmierende Nachricht, die Naturschützer und Umweltverbundene aufhorchen lässt: Von 1989 bis 2015 ist die Anzahl von Fluginsekten in Schutzgebieten um bis zu 75 Prozent zurückgegangen.

Das Insektensterben hat in den vergangenen Jahren Volksbegehren in Baden-Württemberg und Bayern auf den Plan gerufen. Proaktive Naturschützer möchten durch die Reglementierung von Pestiziden und die Förderung nachhaltiger, ganzheitlicher Gartengestaltung die Vielfalt der beflügelten Tiere fördern und schützen. Der Tag der Biene am 15. August soll auf die kleinen Nutztiere aufmerksam machen – denn jeder kann zum Schutz der Biene beitragen.

Bestäuber und ihre Leistung

Bienen sorgen nicht nur für süßen Honig auf dem Frühstückstisch. Sie sind auch verantwortlich für mehr Fruchtertrag im Obst- und Gemüseanbau. Deshalb laden Landwirten immer öfter Imker auf ihre Felder ein. Ist ein Bienenvolk in der Nähe, lassen sich bei Obstbäumen Mehrerträge von etwa 80 bis 100 Prozent verzeichnen. Pfirsiche hätten ohne Bestäuber sogar nur fünf Prozent der bisherigen Ernte. Auch die Fruchtqualität nimmt merklich zu. Bestäuber wie die Honigbiene übernehmen dabei über 80 Prozent der Nutzpflanzenbestäubung. Damit ist der monetäre Wert der Bestäubungsleistung zehn bis 15 Mal höher als der Honigertrag.

Wilde Bienen in Gefahr

Die klassische Honigbiene Apis Mellifera ist übrigens nicht vom Insektensterben gefährdet: Das Nutztier wird vom Imker geschützt. Er behandelt seine Völker gegen die eingeschleppte Varroa-Milbe, führt ihnen bei Trachtlücken[1] Futter zu und stellt die optimale Gesundheit seiner Schützlinge sicher. Wildbienen, Falter und andere Bestäuber dagegen sind auf ruhige Nistplätze ohne ständiges Abmähen und lückenlose Tracht angewiesen. Doch der intensive Ausbau von Monokulturen wie dem Energiemais für die Gewinnung von Biogas verringert die Biodiversität und macht den kleinen Nutztieren das Leben schwer. Die gleichförmige Auszehrung des Bodens durch die immer gleiche Pflanze führt zu Erosion, der große Einsatz von Pestiziden und Bioziden in jenen Monokulturen tut sein Übriges. Auch das menschliche Bedürfnis nach Ästhetik ist ein Problem. So kommt es, dass bei der Auswahl der Pflanzen ihre Optik gegenüber der Attraktivität für die Bestäuber stärker ins Gewicht fällt.

[1] Mit Trachtlücke wird das Fehlen einer ausreichenden Pollen- und Nektar-Tracht während der Vegetationsperiode bezeichnet.

Blütenzucht, Bienen und der eigene Garten

Sobald eine Blüte bestäubt wurde, hat sie ihren Sinn erfüllt, verblüht und macht der Fruchtbildung Platz. Um die Blühdauer zu verlängern, wurden gefüllte Blüten gezüchtet. Die Staubblätter mit Nektar und Blütenstaub verkümmern vor den überbordenden Blütenblättern oder sind dahinter gut versteckt. Dadurch sind sie zwar für Menschen schön anzusehen, aber für Bienen gänzlich unattraktiv. Wer in seinem Garten auch Bienen willkommen heißen möchte, der pflanzt am besten Sträucher und Blumen mit ungefüllten Blüten an – und bereitet den Kleintierchen so einen gedeckten Tisch.

Blühwiesen als Insektenbuffet und Wohnort

Die alten, züchterisch nicht veränderten Pflanzen sind eindeutig besser für Bestäuber. Mittlerweile werden besonders passende Wiesenblumen und abgemischte Kräuter im Handel vertrieben. Diese Blühwiesen bestehen aus gezielt ausgewählten ein- und mehrjährigen Pflanzen, die zu verschiedenen Zeiten im Jahr blühen. Damit steht den Insekten ein lückenloses Trachtband[2] von April bis November zur Verfügung.

Auch für die Menschen sind solche Blühwiesen pflegeleicht, denn sie müssen nur einmal in der Saison gemäht werden, sobald die Pflanzen die Samen für das nächste Jahr abgeworfen haben. Selbst handelsüblicher Rasen ist aufwendiger zu pflegen. Nicht zuletzt geben Pflanzen wie Phacelia (auch Bienenweide genannt) dem Boden Nährstoffe zurück, anstatt ihn auszulaugen. Das hilft gegen Bodenmüdigkeit.

[2] Das Trachtband setzt sich aus verschiedenen Pflanzenarten zusammen. Sie blühen alle zu unterschiedlichen Zeiten, sodass die Bienen normalerweise kontinuierlich Pollen und Nektar finden.

Blühwiesen für Biogas – das Projekt der Stadtwerke Nürtingen

Wer Blühwiesen anlegt, nutzt also der Tierwelt. Bienen werden ernährt, Nistplätze für Kleintiere geschaffen, der Boden angereichert. Auch der Mensch hat einen Nutzen. Aus dem Mahdgut der Bienenweide kann Biogas als Stromquelle gewonnen werden. 2018 haben die Stadtwerke Nürtingen beispielsweise das Projekt Bienenstrom mit dem Biosphärengebiet Schwäbische Alb gestartet. Wer bei den Stadtwerken Bienenstrom als Produkt erwirbt, kombiniert Ökostrom mit der privaten Finanzierung von artenreichen Flächen: Mit jeder durch die Stadtwerke Nürtingen verkauften Kilowattstunde Bienenstrom fließt ein Cent direkt in den Anbau von mehrjährigen, ertragreichen Pflanzenmischungen. Und die Bienen tragen durch ihre Bestäubungsleistung unmittelbar zum optimalen Biogasertrag bei.

Ökonomischer Ausgleich für Landwirte

Das ist zum wirtschaftlichen Ausgleich der Landwirte nötig, denn die Verarbeitung der gemähten Blühwiese zu Biogas deckt nur die Hälfte des Ertrages aus Energiemais. Deshalb werden die Landwirte direkt durch den Aufpreis für Bienenstrom beteiligt und erhalten einen Blühhilfe-Beitrag. Bei einem Drei-Personen-Haushalt betragen die Mehrkosten für den Endverbraucher 35 Euro im Jahr. Konkret erhalten Landwirte netto 600 Euro je Hektar für die Umstellung. Das Saatgut kostet 350 Euro je Hektar. Grundsätzlich erfordert das Wildblumenfeld wenig Arbeit. Gedüngt wird mit den Gärresten aus der Biogasanlage.

Auswirkungen von Blühwiesen auf die Umwelt

Dass Blühweidenprojekte wirken, hat das Institut für Biodiversitätsinformation (IfBI) herausgefunden. Im bayerischen Landkreis Rhön-Grabfeld konnten die Forschenden nach zwei Jahren Blühwiesenanbau 124 Bienenarten nachweisen, darunter mehrere bedrohte Arten. Diese Insekten wiederum sind Nahrungsquelle für Vögel, welche sich auch deutlich verstärkt im Gelände niederließen. Körnerfressende Stieglitze und sich verpuppende Insekten etwa sind auf Bienenweiden oft zu finden.

Blühwiesen auf der Schwäbischen Alb

In Deutschland ist etwa eine Million Hektar mit Energiemais bepflanzt. Die ersten Hektar wurden auf der Schwäbischen Alb bereits durch Bienenweide ersetzt – direkt gegenfinanziert durch die Stromkunden. Die Bienenstrom-Aktion wurde bereits offiziell als Projekt der UN-Dekade „Biologische Vielfalt“ ausgezeichnet.

Durch das Anbieten eines Franchise-Produktes in ganz Deutschland möchten die Stadtwerke Nürtingen auch andere Stadtwerke zum Kultivieren von Blühwiesen anregen und langfristig etwa zehn Prozent der Anbauflächen von Energiemais umnutzen. Das Interesse der Landwirte am Erhalt der Biodiversität ist groß, und so suchen die Stadtwerke nach Unternehmen als Förderpaten, die die Finanzierung der Blühflächen übernehmen und im Gegenzug das Konzept Bienenstrom einsetzen.

Wollen auch Sie als Stadtwerk die kleinen Nutztierchen schützen und möglichst viele Ihrer Kunden in die Bienenaktion einbeziehen? Dann setzen Sie auf professionelle Kommunikation. Sie können Ihre Kunden auf vielfältige Art und Weise ansprechen und für Ihr Projekt begeistern – wir zeigen Ihnen, wie das am besten gelingt. Sprechen Sie uns einfach an unter info@pressewerk.com oder 07129 938260.